05. Dez. 2022

(verpd) Die Bürger haben hierzulande vermehrt mit digitalen Betrügern zu kämpfen. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen sind von Cyberattacken bedroht. Zu dieser Erkenntnis kommen Untersuchungen unter anderem vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Zudem haben immer mehr Menschen Angst vor einem digital ausgefochtenen Krieg mit anderen Ländern, vornehmlich Russland.

Cyberkriminalität – ein Begriff, der sehr nach Zukunft klingt und doch Realität ist. Die Kreativität der Delinquenten kennt oftmals kaum Grenzen oder Skrupel. Gefälschte Spendenaufrufe für Leidende finden sich neben Fake-Mails von Banken und Erpressungsversuchen mit verschlüsselten Computern oder der Veröffentlichung kompromittierender, intimer Geheimnisse.

Bereits jeder dritte Deutsche ist laut einer Untersuchung des Marktforschungs-Instituts Yougov Deutschland GmbH im Auftrag eines Finanzdienstleisters bereits Opfer von Cyberkriminalität in irgendeiner Form geworden. Für die Untersuchung sind zwischen dem 7. und 13. September in einer Online-Umfrage 1.061 Personen ab 18 Jahren online befragt worden.

Ähnliche Zahl von Behörde

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht davon, dass 29 Prozent der Bundesbürger bereits von Cyberkriminellen attackiert wurden. Darauf verweist das „Digitalbarometer 2022“. Es handelt sich hier um einen Kurzbericht zu einer Online-Umfrage, die die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) und das BSI vom 20. April bis 10. Mai 2022 unter 2.000 Personen im Alter von 16 und 69 Jahren bundesweit durchgeführt haben.

„Das Digitalbarometer zeigt uns sehr genau, wo den Bürgerinnen und Bürgern der digitale Schuh drückt. Damit können wir ganz gezielt über die Internetkriminalität aufklären und über entsprechende Schutzmöglichkeiten informieren“, sagt dazu Dr. Stefanie Hinz, Vorsitzende der ProPK.

Besonders jüngere Nutzer sind Opfer von Hackern

Wer sich in den sozialen Medien bewegt, unterliegt auch dem Risiko, Opfer eines Hackerangriffs zu werden. Die Untersuchung des Finanzdienstleisters zeigt, dass gerade jüngere Nutzer zwischen 25 bis 34 Jahren solchen Angriffen ausgesetzt waren. Mit 19 Prozent sind sie die Hauptzielgruppe. Wiederum geben mit 17 Prozent die Jüngsten – zwischen 18 bis 24 Jahre – am häufigsten an, dass ihnen Passwörter gestohlen wurden.

Die Gefahr, sich einen Computervirus einzufangen, beispielsweise durch Ransomware oder Phishing-Mails, ist schon für zehn Prozent der Befragten zur Realität geworden. Mehrheitlich wurden dabei Personen zwischen 35 und 44 Jahren ins Visier der Kriminellen genommen – hier betrug die Zahl der Betroffenen 15 Prozent.

Die meisten Fälle waren dabei Betrug beim Onlineshopping (25 Prozent), gleichauf mit einem Fremdzugriff auf das Onlinekonto (25 Prozent) sowie der Infektion mit Schadsoftware (24 Prozent). Die beiden letztgenannten Betrugsversuche sowie Angriffe mit Phishing-Mails sind im Vergleich zu 2021 rückläufig.

Schutzmaßnahmen bekannt, aber oft nicht angewendet

Angesichts der zunehmenden Bedrohung wird die Befolgung der gängigen Schutzmaßnahmen zur Notwendigkeit, wie das BSI erklärt.

Die Nutzung von Antiviren-Programmen (53 Prozent), sicheren Passwörtern (52 Prozent) und einer aktuellen Firewall (44 Prozent) sind die beliebtesten Schutzmaßnahmen der Deutschen. Allerdings nutzen nur 34 Prozent regelmäßige automatische Updates. Dabei gelten gerade diese als elementar zum Schließen von Sicherheitslücken.

Ebenfalls empfohlen: unterschiedliche Passwörter nutzen. Dr. Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI, rät diesbezüglich zum Schutz von Benutzerkonten: „… Für jeden Online-Account ein eigenes sicheres Passwort verwenden.“

Auch Unternehmen sind Ziele

Nicht nur Verbraucher, auch Firmen und Unternehmen sind ebenfalls beliebte Ziele von Cyberattacken, wie das BSI aufzeigt.

So wird im Digitalbarometer auf mehr als 1.000 Firmen verwiesen, die von ihrer Betroffenheit durch Cyberangriffe in den Jahren 2020 und 2021 berichten. Mit 31 Prozent ist Malware wie Trojaner auch hier die größte Gefahr. Ein bedeutendes Risiko – gerade für Unternehmen – ist zudem Ransomware, die über E-Mails oder Softwareschwachstellen eindringt.

Rund 27 Prozent der Betriebe sahen sich in den letzten zwölf Monaten DDoS-Angriffen ausgesetzt. Das sind acht Prozent mehr Attacken als im vorigen Berichtszeitraum 2018/19.

Sorge vor einem großangelegten Cyberangriff so groß wie nie

Das gestiegene Cyberrisiko zeigt besonders in Krisenzeiten seine Wirkung: Dreiviertel der Deutschen fürchten sich vor einem Cyberkrieg. Dies ergab eine Umfrage der Bitkom Research GmbH, ein Unternehmen des Digitalverbands Bitkom e.V. Die Daten zur Umfrage basieren auf den Aussagen von 1.193 Personen ab 16 Jahren, die deutschlandweit im Auftrag der Bitkom telefonisch befragt wurden.

72 Prozent der Befragten gaben an, Angst davor zu haben. 27 Prozent fürchten sogar, dass daraus ein bewaffneter Konflikt entstehen könnte. Knapp die Hälfte wiederum (45 Prozent) sorgt sich zwar, denkt allerdings nicht, dass aus einem Cyberkrieg auch ein militärischer Konflikt entstehen könnte.

Dabei wird Russland mit 86 Prozent der Nennungen als größte Bedrohung wahrgenommen. Dahinter folgen China (34 Prozent), Nordkorea (28 Prozent) und Indien (zehn Prozent). Ebenfalls genannt werden die Türkei, Ungarn, der Iran und die USA mit jeweils neun Prozent. „Konflikte zwischen Staaten werden längst auch im Cyberraum ausgetragen. Deutschland muss verstärkt in seine digitale Abwehrbereitschaft investieren“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Absicherung für Firmen und Verbraucher

Tipps, wie sich Unternehmen und Verbraucher vor Cyberkriminellen schützen können, enthalten unter anderem die Webportale des BSI und des gemeinnützigen Bündnisses Deutschland sicher im Netz e.V., das unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat steht.

Für Privatpersonen besteht übrigens in manchen Hausrat-, Privathaftpflicht- und Rechtsschutz-Policen zum Teil optional oder auch über separate Cyberversicherungen die Möglichkeit, sich gegen bestimmte Schäden durch Cyberkriminelle abzusichern.

Unternehmen können sich mit einer Cyberversicherung absichern. Je nach Policenvereinbarung werden zur Schadenanalyse, Beweissicherung und Schadenbegrenzung nach einer Cyberattacke zum Beispiel IT-Forensiker, Krisenkommunikations-Spezialisten und Anwälte für IT- und Datenschutzrecht zur Verfügung gestellt und/oder die Kosten dafür gezahlt.

Auch die wirtschaftlichen Schäden einer Betriebsunterbrechung nach einer Cyberattacke, können in manchen Cyberversicherungs-Policen mitversichert werden. Grundsätzlich ist es für eine bedarfsgerechte Absicherung sinnvoll, sich von einem Versicherungsvermittler beraten zu lassen.