Onlineselbsttest prüft eigene Risikowahrnehmung

(verpd) Ihre persönlichen Risiken schätzen viele Menschen falsch ein. Nun wurde ein Risikoselbsttest, der auf einer wissenschaftlichen Studie basiert, ins Internet gestellt. Verbraucher können damit unter anderem checken, ob sie bestimmte Risiken, die mitunter auch ihr Leben betreffen können, richtig einschätzen oder nicht.

Wer seine Risiken unrealistisch einschätzt, ist auch schnell falsch versichert. Zum einen kann es sein, dass er wohlmöglich Vorsorge für Ereignisse trifft, deren Eintreten statistisch unwahrscheinlich sind, zum anderen besteht die Gefahr, dass er sich gegen vorhandene alltägliche Wagnisse nicht versichert, weil er das Risiko unterschätzt. Für eine gute Risikoeinschätzung ist unter anderem ein realistischer Umgang mit großen Zahlen und exponentiellen Trends wichtig.

Dies entzieht sich aber weitgehend dem menschlichen Vorstellungsvermögen, wie Professor Horst vom Institut für Versicherungswesen an der Technischen Hochschule Köln betont. Wie es mit der eigenen Risikoeinschätzung steht, zeigt ein aktueller Onlinetest. Der Wissenschaftler Müller-Peters hat gemeinsam mit Professorin Dr. Nadine Gatzert, die an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Versicherungswirtschaft und Risikomanagement unterrichtet, dazu den Selbsttest „Kenne-Dein-Risiko“ entwickelt.

Der Selbsttest

Der Selbsttest geht auf die Studie „Todsicher: Die Wahrnehmung und Fehlwahrnehmung von Alltagsrisiken in der Öffentlichkeit“ zurück, die schon 2016 veröffentlicht wurde. Die Daten für den Selbsttest wurden aber 2020 aktualisiert.

Insgesamt enthält der Internettest 30 Fragen in den Bereichen „Zahlen und Wahrscheinlichkeiten“, „Entwicklungen im Zeitverlauf“, „Allgemeine Risiken“ und „Eintritts-­Wahrscheinlichkeiten spezifischer Risiken in Deutschland“.

Die 30 Fragen lassen sich in rund fünf Minuten beantworten. Persönliche Daten werden nicht abgefragt. Nach der Beantwortung jeder Frage erhält man sofort ein Ergebnis sowie die richtige Antwort mit Fakten und Quellen belegt angezeigt.

Viele Risiken werden über- und noch mehr unterschätzt

Nach Aussage der Wissenschaftler beantwortet der Durchschnitt der Bevölkerung nur 9,5 Fragen richtig. Vor allem die Wahrscheinlichkeit „medienwirksamer“ Ereignisse wie Terroranschläge wird deutlich überschätzt.

Häufige Ereignisse werden von der Bevölkerung hingegen oft unterschätzt. Das gilt etwa für Sachschäden, Eigentumsdelikte oder Brand- und Leitungswasserschäden. Unter anderem wird im Test gefragt, wie sich die Nutzerzahl einer App im Verlauf von fünf Jahren entwickelt, wenn jeden Monat zu den aktuell 20 Personen 20 Prozent hinzukommen. „61 Prozent unterschätzen den korrekten Wert“, stellt Wissenschaftler Müller-Peters fest. Denn die Zahl der Nutzer liegt dann deutlich über einer Million.

Viel zu gering schätzen die Menschen zudem die Gefahr ein, als Kläger oder Angeklagter vor dem Kadi zu landen. Gleichzeitig wird auch das Risiko einer Berufsunfähigkeit häufig unterschätzt. Insgesamt werden 40 Prozent der Erwerbstätigen vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Mehr als die Hälfte der Frauen unterschätzt die eigene Lebenserwartung.