Jede vierte ausbezahlte Altersrente ist unter 450 Euro

(verpd) Ende letzten Jahres bezogen fast 18,46 Millionen Senioren eine gesetzliche Altersrente mit einer durchschnittlich ausbezahlten Nettorente vor Steuern von monatlich 989 Euro. Deutliche Unterschiede bei der Rentenhöhe gab es jedoch nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch bei den verschiedenen Rentenarten. So hatten zum Beispiel die Bezieher einer Regelaltersrente – die mit Abstand häufigste ausgezahlte Rentenart – nur eine durchschnittliche Rentenhöhe von 697 Euro. Dies belegt eine jüngst veröffentlichte Statistik der Deutschen Rentenversicherung.

Wie aus einer vor Kurzem veröffentlichten Statistik der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht, erhielten Ende 2020 über 18,45 Millionen Personen eine gesetzliche Altersrente auf ihr Konto überwiesen. Der durchschnittliche monatliche Rentenzahlbetrag, also die Rentenhöhe abzüglich der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung vor Steuern, lag bei 989 Euro.

Bei den über 8,17 Millionen männlichen Rentenbeziehern waren dies im Schnitt 1.227 Euro. Im Vergleich dazu hatten die mehr als 10,28 Millionen Frauen mit einer Altersrente eine Nettorentenhöhe vor Steuern von durchschnittlich 800 Euro und damit fast 35 Prozent weniger als die Männer. Auch bei den verschiedenen Altersrentenarten gibt es deutliche Unterschiede bei der Rentenhöhe. Die am häufigsten ausbezahlte Rentenart hat den niedrigsten durchschnittlichen Rentenzahlbetrag, die Rentenart mit den wenigsten Rentenbeziehern dagegen die höchste Nettorentenhöhe.

Die Rentenarten mit der niedrigsten und der höchsten Rente

Die meisten Bezieher einer Altersrente, nämlich fast 42 Prozent beziehungsweise fast 7,68 Millionen Personen, erhielten Ende 2020 eine reguläre Altersrente, auch Regelaltersrente genannt. Von allen Altersrentenarten hat diese die niedrigste Durchschnittshöhe mit einem Rentenzahlbetrag von nur 697 Euro. Die 4,56 Millionen Frauen, die eine Regelaltersrente ausbezahlt bekamen, erhielten mit einer Nettorentenhöhe vor Steuern von 563 Euro sogar fast 37 Prozent weniger als die 3,12 Millionen Männer mit der gleichen Rentenart – deren Rentenzahlbetrag lag im Schnitt nämlich bei 893 Euro.

Voraussetzung, um Anspruch auf eine Regelaltersrente zu haben, ist eine Wartezeit (Mindest-Versicherungszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung) von fünf Jahren und je nach Geburtsjahr ein Renteneintrittsalter von frühestens dem 65. bis 67. Lebensjahr. Die Regelaltersgrenze wurde und wird für alle ab dem 1. Januar 1947 bis einschließlich 31. Dezember 1963 Geborenen seit 2012 stufenweise von 65 auf 67 Jahre erhöht. Wer ab 1964 geboren ist, kann frühestens mit 67 Jahren eine solche Rente beanspruchen.

Die Altersrente für Bergleute weist zwar mit 2.248 Euro den höchsten durchschnittlichen Rentenzahlbetrag von allen Rentenarten aus, allerdings bekamen Ende 2020 weniger als 37.700 Personen eine solche Rente – das waren 0,2 Prozent aller Altersrentenbezieher. Der Grund: Nur Personen, die eine Wartezeit von einer mindestens 25-jährigen Tätigkeit mit Arbeiten unter Tage vorweisen können und je nach Geburtsjahr wenigstens 60 beziehungsweise 62 Jahre alt sind, können eine solche Rente erhalten.

Rente nach 35 oder 45 Jahren Wartezeit

Über elf Prozent der Bezieher einer Altersrente, das waren knapp 2,12 Millionen Personen, wurde eine Altersrente für langjährig Versicherte überwiesen. Deren durchschnittlicher Rentenzahlbetrag lag bei 1.173 Euro. Auch hier hatten die fast 757.700 Frauen mit einer solchen Rentenart mit einem Rentenzahlbetrag von im Schnitt 856 Euro eine um rund 37 Prozent niedrigere Nettorente als die 1,36 Millionen Männer, deren durchschnittlicher Rentenzahlbetrag bei fast 1.350 Euro lag.

Anspruch auf eine Altersrente für langjährig Versicherte mit Rentenabschlägen haben Personen, die mindestens 35 Jahre Wartezeit in der Rentenversicherung vorweisen können und das 63. Lebensjahr vollendet haben. Wer eine Wartezeit von mindestens 45 Jahren hat, kann je nach Geburtsjahr ab dem 63. bis 65. Lebensjahr auch eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte, umgangssprachlich abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren genannt, erhalten. Für alle, die nach 1964 geboren sind, ist eine solche Rente frühestens mit 65 Lebensjahren möglich.

Nur knapp neun Prozent aller Altersrentner, nämlich 1,65 Millionen Personen, erhielten Ende 2020 eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Die Nettorentenhöhe lag im Durchschnitt bei 1.417 Euro. Doch auch hier hatten die knapp 945.700 männlichen Rentenbezieher mit einem Rentenzahlbetrag von im Schnitt 1.563 Euro eine deutlich höhere Rente als die 707.900 Frauen, denen eine solche Rentenart ausbezahlt wurde. Bei den weiblichen Rentenbeziehern lag die Nettorentenhöhe bei 1.222 Euro und war damit fast 22 Prozent niedriger als bei den Männern.

Besondere Altersrente für Schwerbehinderte

Fast 1,82 Millionen Personen und damit jedem zehnten Altersrentner wurde Ende 2020 monatlich eine Altersrente für Schwerbehinderte mit einer Durchschnittsrentenhöhe von 1.231 Euro netto vor Steuern überwiesen. Während die 1,06 Millionen männlichen Rentenbezieher diesbezüglich einen Rentenzahlbetrag von im Schnitt 1.377 Euro hatten, bekamen die fast 757.600 Frauen mit der gleichen Rentenart nur 1.027 Euro und damit im Vergleich zu den Männern ein Viertel weniger ausbezahlt.

Eine solche Rentenart erhalten nur Personen, die als schwerbehindert gelten – der Grad der Behinderung (GdB) muss mindestens 50 betragen – und eine Wartezeit von 35 Jahren vorweisen. Je nach Geburtsjahr können sie nach Erreichen der jeweiligen Altersgrenze diese Rentenart abschlagsfrei oder mit Rentenabschlägen beziehen.

Für alle 1952 bis 1964 Geborenen erhöht sich die Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente vom 63. auf das 65. Lebensjahr schrittweise. Bei den Geburtsjahren 1952 bis 1964 muss die schrittweise angehobene Altersgrenze vom 60. auf das 62. Lebensjahr für eine Rente mit Abschlägen erreicht werden. Wer ab 1964 geboren wurde, kann eine Altersrente für Schwerbehinderte ohne Abschläge mit 65 Jahren und mit Rentenabschlägen mit 62 Jahren in Anspruch nehmen.

So viele erhalten eine auslaufende Rentenart

Zudem kamen zwei weitere Rentenarten, nämlich die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit sowie die Altersrente für Frauen zur Auszahlung, die aufgrund der dafür notwendigen Voraussetzungen seit Jahren nur noch von sehr wenigen neu beantragt wird. Beide Rentenarten erhalten nämlich nur Personen, die vor 1952 geboren wurden – und damit letztes Jahr bereits mindestens 68 Jahre alt waren – und die sonstigen Voraussetzungen wie eine mindestens 15-jährige Wartezeit erfüllen.

Ende 2020 erhielten 3,32 Millionen Personen und damit fast 18 Prozent aller Altersrentner und sogar 32 Prozent aller weiblichen Rentenbezieher eine Altersrente für Frauen. Die Durchschnittshöhe der Nettorente betrug 960 Euro.

Zudem wurde fast 1,84 Millionen Personen und damit knapp zehn Prozent aller Rentenbezieher im Rentenalter eine Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit ausbezahlt. Im Schnitt lag hier der Rentenzahlbetrag bei 1.401 Euro. Insgesamt hatten somit nicht ganz 28 Prozent der Altersrentner – also weit mehr als jeder vierte Rentenbezieher – eine Rentenart, die für Neurentner in der Regel nicht mehr zur Verfügung steht.

Mehr als jeder fünfte Rentner hat weniger als 450 Euro Rente

Wie unterschiedlich die Rentenhöhen zwischen den Rentenarten sind, zeigt auch die Anzahl der Rentenbezieher, die unter oder über einem bestimmten Rentenzahlbetrag liegen. Blickt man auf alle Bezieher einer Altersrente, erhielt Ende 2020 etwas mehr als jeder Fünfte – konkret 21 Prozent und damit 3,85 Millionen Personen – eine Monatsrente von weniger als 450 Euro netto vor Steuern. Rund 19 Prozent, das waren 3,57 Millionen Personen, hatten dagegen einen monatlichen Rentenzahlbetrag von 1.500 Euro.

Während jedoch bei allen Beziehern einer Regelaltersrente fast 44 Prozent und damit 3,36 Millionen Personen weniger als 450 Euro Rente bekamen, waren es bei den Rentnern mit einer Altersrente für besonders langjährig Versicherte nur 0,7 Prozent beziehungsweise knapp 11.900 Personen. Im Gegensatz dazu erhielt nicht einmal jeder zehnte Regelaltersrentner 1.500 Euro Nettorente oder mehr. Bei allen mit einer Altersrente für besonders langjährig Versicherte lag der Anteil dagegen bei über 39 Prozent.

Die Statistik zeigt, dass viele, die sich im Rentenalter allein auf die gesetzliche Altersrente verlassen, in der Regel ihren bisherigen Lebensstandard damit nicht halten können. Daher empfiehlt es sich, frühzeitig und ausreichend finanziell für das Alter vorzusorgen. Die Versicherungswirtschaft bietet hierzu diverse Lösungen an, die zum Teil auch staatlich gefördert werden. Wer genau wissen möchte, wie hoch seine eigene gesetzliche Altersrente konkret sein wird und mit welcher Einkommenslücke er ohne eine zusätzliche Vorsorge rechnen muss, kann sich vom Versicherungsvermittler beraten lassen.