Die Hotspots der Blitzeinschläge in Deutschland

(verpd) Nach aktuell veröffentlichten Daten eines Blitz-Informationsdienstes gab es letztes Jahr knapp 399.300 Blitzeinschläge, das waren 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Statistik zeigt zudem deutliche zeitliche und regionale Unterschiede bei der Blitzdichte. Selbst innerhalb der Bundesländer weicht die Blitzdichte je nach Land- oder Stadtkreis erheblich ab. So wurden fast sechs Blitzeinschläge pro Quadratkilometer in einem Stadtkreis in Niedersachsen festgestellt – die höchste in 2020 festgestellte Blitzdichte eines Land- oder Stadtkreises in Deutschland. In einem anderen Stadtkreis desselben Bundeslandes lag die Blitzdichte dagegen nur bei 0,1.

Seit dem Jahr 2007 gab es hierzulande jährlich zwischen 329.200 und 1,1 Millionen Blitzeinschläge in Deutschland. Letztes Jahr schlugen fast 399.300 Blitze ein und damit 21 Prozent mehr als noch 2019, dem Jahr mit den wenigsten Blitzeinschlägen. Dies veröffentlichte jüngst der Blitz-Informationsdienst der Siemens AG (Blids) in seinem neuen „Blitzatlas 2020“. Basis des Blitzortungssystems, das die Werte für den Blitzatlas ermittelt, sind zahlreiche Messstationen, die auf 50 Meter genau Gewitterblitzeinschläge orten und dokumentieren.

Die meisten Blitze wurden in 2020 in den Monaten Juni und August registriert. Der blitzreichste Tag war im Berichtsjahr mit über 89.500 Blitzeinschlägen der 13. Juni. Der Blitzatlas zeigt jedoch nicht nur zeitliche, sondern auch regionale Unterschiede bei der Blitzhäufigkeit beziehungsweise der Blitzdichte, also der Anzahl der Blitzeinschläge pro Quadratkilometer.

Das Bundesland mit der höchsten Blitzdichte

Letztes Jahr lag die Blitzdichte je Quadratkilometer deutschlandweit bei 1,12 Blitzeinschlägen. Die höchste Blitzdichte bei den Bundesländern gab es in Hamburg mit 1,91, in Bayern mit 1,62 und Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit 1,42 und 1,41 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer. Überdurchschnittlich hoch war die Blitzdichte zudem in Baden-Württemberg (1,29) und Brandenburg (1,22). Schleswig-Holstein hatte mit einer Blitzdichte von 1,11 fast den deutschlandweiten Wert.

Deutlich darunter lagen die Bundesländer Berlin und Sachsen-Anhalt mit einer Blitzdichte von 0,75, Sachsen mit 0,69, Rheinland-Pfalz mit 0,65, Saarland mit 0,62, Nordrhein-Westfalen mit 0,58, Hessen mit 0,57 und Thüringen mit 0,56. Bremen hatte mit 0,46 die niedrigste Blitzdichte. Pro Quadratkilometer schlugen hier fast 2,5-mal weniger Blitze ein als im bundesweiten Durchschnitt und sogar mehr als viermal weniger gegenüber Hamburg, dem Bundesland mit der höchsten Blitzdichte.

„Bemerkenswert beim Blitzgeschehen 2020 war, dass die Gewitterfronten vor allem in Nord- und Süddeutschland stattfanden und die Mitte Deutschlands geradezu ausklammerten. Dass die Spitzenreiter zunehmend im Norden zu finden sind, ist eine Entwicklung, die wir erst in den letzten Jahren beobachten“, betont Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens.

In diesen Land- oder Stadtkreisen blitzt es häufiger

Betrachtet man die Blitzdichte der 401 Land- und Stadtkreise sowie kreisfreien Städte, lagen sechs von zehn der regionalen Blitzhochburgen im Bundesland Bayern, drei in Niedersachsen und einer in Schleswig-Holstein. Bei den zehn Regionen mit der niedrigsten Blitzdichte waren jeweils drei in Bayern und Rheinland-Pfalz sowie jeweils zwei in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu finden.

Die höchste Blitzdichte bei den Land- und Stadtkreisen sowie kreisfreien Städten weist der Blitzatlas für 2020 für den niedersächsischen Stadtkreis Wolfsburg mit 5,8 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer aus. Danach folgen der Stadtkreis Kempten (Allgäu) (5,1), die Landkreise Miesbach (4,7), Leer (4,6), Bad Tölz-Wolfratshausen (4,4), Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau (je 4,3), Lindau (Bodensee) (4,2), der Stadtkreis Flensburg und der Landkreis Ammerland (je 3,8). „Im Falle Wolfsburg waren es nur drei Gewitter, um diese hohe Blitzdichte auszuweisen“, sagt Thern.

„Bei den vorwiegend bayerischen Stadt- und Landkreisen unter den Top Ten spielt sicherlich die Nähe zum Alpenrand eine große Rolle“, so Thern. Die zehn Regionen mit der niedrigsten Blitzdichte waren der Landkreis Rhön-Grabfeld (0,17), die Stadtkreise Trier und Osnabrück (je 0,16), Kaiserslautern (0,14), Krefeld (0,12), Delmenhorst und Essen (je 0,10), Mainz (0,09), Bamberg (0,04) und Coburg (0,02). In Wolfsburg, der Region mit der höchsten Blitzdichte, schlugen Blitze 273-mal häufiger pro Quadratkilometer ein als in Coburg, dem Stadtkreis mit den anteilig wenigsten Blitzeinschlägen.

Finanzielle Absicherung bei Blitzschäden am Hab und Gut

Tipps und Hinweise, wie man sich selbst und sein Hab und Gut vor einem Blitz und dessen Folgen schützen kann, enthält das Webportal www.vor-blitzen-schuetzen.eu/de des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE). Allerdings sollte man sich auch im Klaren darüber sein, dass es keinen hundertprozentigen Schutz vor Blitzschäden gibt.

Im Rahmen einer Gebäudeversicherung lassen sich jedoch Schäden an der versicherten Immobilie, die durch einen direkten Blitzeinschlag oder durch Überspannungsschäden infolge eines Blitzschlages entstehen, absichern. Blitzschäden am Hausrat können mit einer Hausratversicherung abgesichert werden. In manchen Hausrat- und in älteren Gebäude-Policen sind Überspannungsschäden jedoch oftmals nicht automatisch versichert, lassen sich aber optional in die Policen miteinschließen.

Wenn ein Auto durch einen Blitzschlag beschädigt wird, übernimmt eine bestehende Teilkasko-Versicherung – die in der Kfz-Versicherung als Einzelschutz oder im Rahmen einer Vollkasko versicherbar ist – die Reparaturkosten abzüglich einer eventuell vereinbarten Selbstbeteiligung. Wer sichergehen möchte, dass er gegen Blitzschäden bestmöglich abgesichert ist, sollte seinen bestehenden Versicherungsschutz von einem Versicherungsfachmann überprüfen lassen.